Renate Krickl
Frankenfels
geb. 1964

Ein Leben lang laufen…?

Das wäre ein Wunsch von mir, sicherlich nicht immer im Leistungsbereich, aber aus Freude an der Bewegung. Bei meinen Hobbyläufen sehe ich auch  immer wieder ältere Menschen die diesen Sport mit so viel Leidenschaft ausüben, dadurch  haben diese Sportler eine große Vorbildwirkung auf mich. Der Altersunterschied ist dabei nicht ausschlaggebend, denn man kommt sowohl mit einem 12 jährigen Mädchen als auch mit einem 65 jährigen Mann ohne weiteres in ein Gespräch kommen, man braucht dabei keine Brücken bauen, da diese schon gegeben sind, und das ist meiner Meinung nach ein wunderbares Gefühl. Hierbei möchte ich auch meine herzlichsten Glückwünsche an Gabriela Fahrafellner ausdrücken. Sie hat uns gezeigt, was man mit Disziplin alles erreichen kann .Sie kann zu Recht stolz auf sich sein und ich denke, dass sie für einige ein großes Vorbild darstellt. Nur weiter so!

Marathon…….was stellt man sich darunter eigentlich vor? Für die einen ist es eine Stadt in Griechenland, doch für die anderen ist es eine unvorstellbare und Angst einflößende  Laufdistanz von 42.195 km.

Früher hätte ich nie daran denken können, solche Strecken zu bewältigten, wäre da nicht meine Freundin Irene gewesen, die mich überredete, mit ihr einen Marathon zu laufen. Die Dritte im Bunde war dann noch Andrea Fuxsteiner, die anfangs noch der Meinung war, dass wir einen Vogel hätten.

Bald kam auch sie zu dem regelmäßigen Training. Die erste Hürde war, das 12- wöchige Trainingsprogramm in unseren Alltag zu integrieren.

Selbstdisziplin und ein eiserner Wille waren dabei unser oberstes Gebot. Brav spulten wir unser Kilometer herunter.

Mein Körper zeigte bald Reaktionen auf diese Torturen und ein nächtliches Klo gehen war nur mehr auf Zehenspitzen möglich. Starke Schmerzen in den Achillessehnen ließen Zweifel in mir aufkommen.

Wertvolle Tipps von erfahrenen Marathonläufern wie Leo Pinczolitsch, Othmar Fuxsteiner und Erich Zeuner  verliehen mir ein optimistisches Denken, und so ging es weiter mit laufen, laufen, laufen…..

Endlich war er da, der 20. Mai 2001.  Viele Gedanken quälten Körper und Geist….Fragen wie, habe ich genug trainiert? Werde ich es schaffen?…usw. plagten mich in der letzten Nacht vor meinem großen Tag.

Nun war es soweit wir standen in den Startblöcken, die Spannung hatte ihren Höhepunkt erreicht, doch bevor wir uns beweisen konnten, ertönte die Bundeshyme, wir umarmten uns und sprachen nur die besten Glückwünsche aus, dabei hatte ich Tränen in den Augen,  ich war unheimlich stolz, bei solch einem großen Ereignis wie den Wien Marathon dabei zu sein.

Das Versprechen, wir sehen uns im Ziel war dabei oberste Priorität.

Nach dem Startschuss liefen wir wie drei Musketiere Seite an Seite, niemals hätte ich es gewagt mich von meinen Freundinnen zu trennen. Wie vereinbart blieben wir bis Kilometer 30 zusammen, dann jede in ihrem Tempo. Ich konnte noch ein bisschen forcieren und erreichte in einem körperlich guten Zustand in 3.53.11 bei meinem ersten Marathon das Ziel.

In der gemeinsamen Trainingszeit vertiefte sich unsere Freundschaft immer mehr, darum kann ich es nur empfehlen den ersten Marathon nicht alleine zu laufen.

Ich werde dieses Ereignis niemals vergessen.

In den Jahren 2002 schaffte ich in Wien eine Zeit von 3.31.47,  im darauf folgenden Jahr konnte ich meine Zeit auf 3.26.54 verbessern und 2005 gelang es mir in Linz meine eigene Bestzeit von 3.26.21 zu unterbieten. Ich erreicht als gesamt 9 Dame das Ziel und konnte in der Klasse W 40 einen 4 Platz einnehmen.

Jeder dieser Marathons hatte seine eigenen Tücken und Lücken, jeder war anders.

Der eine war von meinem Gefühl her der Beste, der Andere war ein Hitzemarathon mit unheimlichen Qualen,  und der Letzte mit persönlichen Schlachtenbummlern aus Frankenfels wird ebenso unvergesslich bleiben.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei meinem Mann Helmut und meiner Tochter Jacqueline, die beide sehr viel Verständnis für mein Hobby aufzeigen.  

Und bei all jenen, die immer Vertrauen in mich haben und mich sowohl physisch als auch psychisch unterstützen.

Zum Abschluss möchte ich allen Menschen, die eine ebenso große Leidenschaft im Sport sehen, wie ich es tue, ein ewiges Gelingen wünschen.

Eure Renate Krickl